“Dogmatischer Bio-Zirkus….”

In der aktuellen Ausgabe des Cicero (Magazin für politische Kultur) findet man ein Interwiew mit einem der wohl bekanntesten und sympathischsten Köche Deutschlands Vincent Klink.

Ein Teil dieses Interwiews hat mich besonders interessiert. Diesen Teil finden Sie nun hier als Zitat. Wenn ich auch in vielen Punkten (eigentlich in fast allen) mit Vincent Klink übereinstimme, so bin ich nicht ganz so überzeugt davon, dass man das was Klink als “Dogmatischen Biozirkus” bezeichnet auch so sehen kann.

Hier das Zitat:

Dogmatischer Biozirkus

Von dem „zutiefst politischen Koch“ würde man ein klares Bekenntnis zum Guten, also zur reinen Lehre der regionalen Bioküche erwarten. Doch weit gefehlt: „Ich lasse mich in meinem Alter nicht vor den Karren des dogmatischen Biozirkus spannen.“ Natürlich kaufe er Gemüse, Obst, Fleisch bei regionalen Bauern und den Wein beim Winzer nebenan. Das sei doch normal und vernünftig und bedürfe keiner PR-Fanfare. „Mich nervt dieses Hecheln nach Bio-Siegeln, Öko-Stempeln und Gutmensch-Plaketten. Natürlich befriedigt eine regionale Küche unsere Urbedürfnisse nach Geborgenheit und Nestwärme. Nur habe ich bei der Vermarktung dessen ein flaues Gefühl im Magen. Mir fällt da sinnentleertes Brauchtum ein und dieser Blut- und Boden-Musikantenstadl, ja, diese Heimat von der Stange. Sicher, man kann als Koch mit dieser Masche gut verdienen.“ (Cicero, 23. Februar 2015)

Klar geht man davon aus, dass ein Koch wie Vincent Klink, bodenständig, sympathisch… seine Produkte in der nahen Umgebung kauft. Aber was für Ihn normal ist, wie er sagt, ist noch lange nicht für alle so normal. Zwar stimmt es, dass viele auf den Karren “Regionale Küche” aufspringen um sich zu profilieren, jedoch ist das in vielen Fällen wirklich nur eine Werbestrategie. Für viele ist es leider bereits regional wenn sie im Discounter um die Ecke einkaufen. Es wundert mich auch dass nach den ganzen BIO-Skandalen überhaupt noch jemand glaubt, dass das was man in den Geschäften als regional verkauft bekommt wirklich aus der näheren Umgebung stammt. (Es gibt Ausnahmen… aber die gibt es bei BIO auch).

Wie bei BIO so werden auch die “Regionalen Produkte” sowie die Küche die damit verbunden wird missbraucht um dem Kunden eine heile Welt vorzugaukeln die es im Grunde so häufig gar nicht gibt.

Wer genau hinschaut, dem dürfte das alleine über das Preisgefüge auffallen, denn wirklich regionale Produkte gibt es nicht zum “Billig-Tarif”. Im schlimmsten Fall ist jedoch nicht einmal mehr das möglich, da Convienience- Fertig- und TK-Produkte heute oft zu Preisen verkauft werden die den Anschein erwecken, dass die Küchencrew seit den frühen Morgenstunden mit den Vorbereitungen beschäftigt war und der Chef in der Nacht die Zutaten selbst bei den Produzenten abgeholt wenn nicht sogar selbst geerntet hat.

Transparenz in Bezug auf das was man für sein Geld serviert bekommt gibt es immer weniger. (Lesen Sie hierzu meinen BLOG-Eintrag “Weinkarte bringt Umdenken voran”)

Ich stimme mit Herrn Klink überein, dass einen alleine das Hecheln nach Siegeln, Stempeln und Plaketten nicht das Ziel eines Kochs bzw. eines Restaurants sein sollte. Die Anerkennung durch  Institutionen wie z.B. G.Michelin, Gault Millaut, Guide O., Fallstaff oder SlowFood e.V. war aber schon immer neben der Zufriedenheit und Begeisterung der Gäste ein Ansporn für die  Gastronomen und Köche dieser Welt.

Das Wichtigste dabei ist nur der GRUND weswegen man diese Anerkennung will. Man darf sich selbst nicht verlieren.

Wenn ein vermeintlicher Spitzenkoch Werbung für die größte gastronomische Lügenmachinerie der Welt macht, dann hat er sich selbst und die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und seinen Gästen verloren denen.

Wenn jedoch ein Vertreter der höchsten gastronomischen Klasse wie der 3*** Koch Harald Wohlfahrt zu mir sagt: “Ein Gast der zu mir Essen kommt, kann erwarten dass ich auch in der Küche stehe und ihn nach dem Essen persönlich Rede und Antwort stehe” kann man in Angesicht der Erfolge die dieser Koch über die letzten Jahrzehnte bereits hatte nur den Hut ziehen.

Den Gäste und sich selbst gegenüber ehrlich bleiben. Das muss das Ziel sein.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Torsten Frischbier

By | 2017-04-12T15:35:37+00:00 Dienstag, 7 April 2015|Allgemein|0 Comments

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